Vergleiche
Depot-Vergleich: Welche Kriterien wirklich zählen
Wertpapierdepots neutral erklärt: Was Depotgebühr, Ordergebühren, ETF-Sparplan-Konditionen und Regulierung bedeuten – ohne Produktempfehlung und ohne Broker-Ranking.
Ein Wertpapierdepot ist die Voraussetzung für den Kauf von ETFs, Aktien und Anleihen. Die Auswahl des richtigen Depots hängt weniger vom günstigsten Einzelwert ab als von der Passung zwischen Broker-Konditionen und dem eigenen Anlageverhalten. Wer einen ETF-Sparplan langfristig besparen möchte, braucht andere Konditionen als jemand, der aktiv einzelne Aktien handelt.
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Die 7 Vergleichskriterien im Überblick
| Kriterium | Was es bedeutet | Typisches Kostenmodell | Priorität für … |
|---|---|---|---|
| Depotgebühr | Laufende Pauschale für das Führen des Depots – unabhängig davon, ob gehandelt wird. Häufig jährlich oder quartalsweise. | 0 € (viele Online-Broker) bis mehrere Prozent des Depotvolumens p. a. (Filialbanken). | Für alle Anleger relevant. Bei kleinen Depots trifft eine Prozentgebühr besonders stark. |
| Ordergebühr | Kosten pro Kauf oder Verkauf. Besteht oft aus einem Grundpreis plus variablem Volumenanteil. | Flat-Fee oder Grundbetrag + Prozentsatz. Manche Broker bieten günstigere Konditionen für bestimmte Handelsplätze. | Relevant für aktive Anleger. Sparplan-Anleger, die selten separat handeln, priorisieren stattdessen Sparplan-Kosten. |
| ETF-Sparplan-Ausführungskosten | Gebühren pro Sparplan-Ausführung. Viele Broker bieten kostenlose Ausführungen an. Andere erheben eine Pauschale oder einen Prozentsatz. | Kostenlos oder 0,20–1,50 € pro Ausführung (z. T. auch Prozentsatz des Betrags). | Entscheidend für ETF-Sparplan-Anleger. Bei monatlichen Ausführungen summieren sich selbst kleine Gebühren über Jahre erheblich. |
| Mindestsparrate | Der kleinste zulässige Betrag pro Sparplan-Ausführung. Bestimmt, wie klein die Einzelbeträge sein können. | 1 € bis 25 € je nach Broker. | Wichtig bei kleinen Beträgen oder wenn mehrere ETFs parallel bespart werden sollen. |
| Anzahl sparplanfähiger ETFs | Wie viele ETFs bei diesem Broker als Sparplan ausführbar sind. Nicht jeder ETF ist bei jedem Broker sparplanfähig. | Keine direkten Kosten, beeinflusst aber die Produktauswahl. | Relevant, wenn ein spezifischer ETF besparen werden soll. Vor der Broker-Wahl prüfen, ob der gewünschte ETF verfügbar ist. |
| Handelsplätze | Börsen und außerbörsliche Handelsplätze, an denen Orders ausgeführt werden können (z. B. Xetra, TRADEGATE, Direkthandel). | Kein direkter Kostenposten, beeinflusst aber Spreads und Liquidität. | Relevant für aktive Händler. Für reine Sparplan-Anleger weniger wichtig. |
| Regulierung & Einlagensicherung | Wertpapiere sind Sondervermögen (getrennt vom Brokervermögen). Zusätzlich: gesetzliche Anlegerentschädigung (bis 20.000 €). Kontoguthaben sind durch die Einlagensicherung bis 100.000 € abgesichert. | Keine Kosten – strukturelle Sicherheitseigenschaft. In der EU zugelassene Broker unterliegen MiFID II und nationaler BaFin-Aufsicht. | Grundlegendes Auswahlkriterium. Nur EU-regulierte Broker wählen. |
Die Angaben sind exemplarisch und ohne Gewähr. Aktuelle Werte und Produktdetails sind bei den jeweiligen Anbietern zu prüfen.
Depotgebühr: Laufende Kosten auch ohne Handel
Die Depotgebühr fällt unabhängig davon an, ob im Depot gehandelt wird. Viele moderne Online-Broker verzichten vollständig darauf. Ältere Filialbank-Depots erheben dagegen oft noch Prozentsätze auf den Depotwert. Eine fehlende Depotgebühr allein macht ein Depot noch nicht günstig – Ordergebühren und Sparplan-Kosten können die Gesamtrechnung verschieben.
Ordergebühr: Kosten pro Transaktion
Ordergebühren fallen pro Kauf oder Verkauf an. Typische Modelle sind: Flat-Fee (fester Betrag ab einem Mindestumsatz), prozentuales Modell (Bruchteil des Handelsvolumens) oder eine Kombination. Wer aktiv handelt, sollte die Gesamtkosten über das eigene Handelsvolumen hochrechnen.
Für reine ETF-Sparplan-Anleger, die nie manuell ordern, sind Ordergebühren oft irrelevant. Ausschlaggebend sind dann die Sparplan-Ausführungskosten.
ETF-Sparpläne: Das wichtigste Kriterium für langfristige Anleger
ETF-Sparpläne erlauben automatisiertes, regelmäßiges Investieren ohne manuelle Orders. Die relevanten Teilkriterien:
- Ausführungskosten: Kostenlose Ausführungen oder eine Pauschale / ein Prozentsatz pro Ausführung? Bei monatlichen Ausführungen summieren sich selbst 1,50 € über 20 Jahre auf mehrere Hundert Euro.
- Mindestsparrate: Je niedriger, desto flexibler – besonders relevant, wenn mehrere ETFs parallel mit kleinen Beträgen bespart werden sollen.
- Verfügbare ETFs: Vor der Broker-Wahl prüfen, ob der gewünschte ETF sparplanfähig ist.
- Ausführungsfrequenz: Monatlich, zweiwöchentlich oder wöchentlich – Flexibilität variiert je nach Anbieter.
Handelsplätze: Relevant für aktive Anleger
Handelsplätze bestimmen, wo Orders ausgeführt werden. In Deutschland gängig sind Xetra (Deutsche Börse), TRADEGATE und der Direkthandel mit Market Makern. Für aktive Anleger ermöglichen mehr Handelsplätze Preisvergleiche (Best Execution). Für reine Sparplan-Anleger sind viele Handelsplätze weniger relevant – dort zählen primär Kosten und Liquidität.
Sicherheit: Sondervermögen und Anlegerentschädigung
Wertpapiere im Depot sind Sondervermögen: rechtlich vom Betriebsvermögen des Brokers getrennt. Im Insolvenzfall des Brokers werden die Wertpapiere nicht Teil der Insolvenzmasse.
Ergänzend gibt es die gesetzliche Anlegerentschädigung (EAEG): Sie sichert bis zu 90 % des Verlustes ab, maximal 20.000 € pro Anleger, wenn Wertpapiere trotz Insolvenz nicht herausgegeben werden können. Nicht zu verwechseln mit der Einlagensicherung für Kontoguthaben (bis 100.000 €).
In der EU zugelassene Broker unterliegen MiFID II und stehen unter Aufsicht der nationalen Behörde – in Deutschland der BaFin.
Das eigene Nutzungsverhalten als Ausgangspunkt
Die "günstigste" Depot-Option hängt vom eigenen Verhalten ab:
- Reiner Sparplan-Anleger (kein aktiver Handel): Sparplan-Ausführungskosten und Mindestsparrate sind entscheidend. Ordergebühren und viele Handelsplätze sind irrelevant.
- Aktiver Anleger (regelmäßige manuelle Orders): Ordergebühren und verfügbare Handelsplätze stehen im Vordergrund.
- Kombination: Wer sowohl spart als auch gelegentlich aktiv handelt, sollte beide Kostenblöcke hochrechnen.
Für aktuelle neutrale Produktvergleiche und Ranglisten empfehlen wir unabhängige Verbraucherorganisationen:
Neutrale Produktvergleiche: Externe Quellen
fondssuche.com erklärt Vergleichskriterien – für aktuelle Ranglisten und detaillierte Broker-Tests sind diese unabhängigen Quellen empfehlenswert:
- Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) – Verbraucherinformationen zu Wertpapierdepots und Anlegerentschädigung
- Stiftung Warentest – Depot- und Broker-Vergleiche (neutrale Verbraucherorganisation; empfohlen für aktuelle Produktvergleiche)
- Verbraucherzentrale – Wertpapierdepot eröffnen: Was zu beachten ist
Häufige Fragen zum Depot-Vergleich
Quellen & weiterführende Informationen▾
- [1]Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) – Verbraucherinformationen zu Wertpapierdepots und Anlegerentschädigung
- [2]Stiftung Warentest – Depot- und Broker-Vergleiche (neutrale Verbraucherorganisation; empfohlen für aktuelle Produktvergleiche)
- [3]Verbraucherzentrale – Wertpapierdepot eröffnen: Was zu beachten ist
