Geldanlage für Anfänger

Notgroschen aufbauen: Wie viel ist genug?

Die finanzielle Sicherheitsdecke — warum 3–6 Monatsgehälter der Ausgangspunkt sind.

Zuletzt aktualisiert am

Lesezeit: 7 Min.

Das Wichtigste in Kürze

Der Notgroschen ist die Basis jeder soliden Finanzplanung. Dieser Artikel erklärt, wie viel Sie brauchen, wo Sie ihn anlegen sollten und wann Sie ihn aufbrauchen dürfen.

Der Notgroschen ist keine glamouröse Anlage. Er bringt selten Schlagzeilen und setzt kein Vermögen in Bewegung — aber er ist die wichtigste finanzielle Vorkehrung überhaupt. Ohne ihn können unerwartete Ausgaben dazu führen, dass langfristige Investments zu ungünstigen Zeitpunkten aufgelöst werden müssen.

Was ist der Notgroschen?

Der Notgroschen ist eine frei zugängliche Geldreserve, die ausschließlich für unerwartete, notwendige Ausgaben gedacht ist:

  • Kaputtes Auto / Fahrzeugreparatur
  • Defekte Haushaltsgeräte (Waschmaschine, Kühlschrank)
  • Zahnarztkosten, nicht erstattete Arztkosten
  • Kurzzeitiger Jobverlust oder Einkommensverlust
  • Wohnungsumzug, Mietkaution

Der Notgroschen ist kein Urlaubs-Budget und kein Investitionskapital. Er ist reiner Puffer.

Wie viel sollte der Notgroschen betragen?

Verbraucherschützer empfehlen 3 bis 6 Monatsnettogehälter als Richtwert. Die genaue Höhe hängt von Ihrer persönlichen Situation ab:

Eher 3 Monate, wenn:

  • Sicherer Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst
  • Keine Unterhaltspflichten
  • Gute Absicherung durch Versicherungen
  • Kein eigenes Auto oder Haus (geringeres Reparaturrisiko)

Eher 6 Monate oder mehr, wenn:

  • Selbstständige oder Freiberufler (unregelmäßiges Einkommen)
  • Familie mit Kindern und Unterhaltspflichten
  • Eigentümer eines Hauses (höheres Reparaturrisiko)
  • Branche mit höherem Jobverlustrisiko

Faustregel: Im Zweifel lieber etwas mehr — der entgangene Zins auf 2 Monate Mehrpuffer ist geringer als der Schaden eines erzwungenen ETF-Verkaufs im Tief.

Wo sollte der Notgroschen angelegt werden?

Der Notgroschen muss zwei Anforderungen erfüllen:

  1. Täglich verfügbar (jederzeit abrufbar, ohne Kündigung oder Zeitverzug)
  2. Sicher (kein Wertverlustrisiko)

Das Tagesgeldkonto erfüllt beide Anforderungen:

  • Kapital täglich abrufbar (Überweisung in 1 Bankarbeitstag)
  • Einlagensicherung bis 100.000 Euro
  • Variabel verzinst (kein echter Verlust; leichtes Kaufkraftrisiko bei hoher Inflation)

Kein Girokonto (dort liegt Geld unverzinst herum und ist direktem Kontozugriff ausgesetzt), kein Festgeld (Laufzeitbindung), kein ETF (Wertschwankungsrisiko).

Wie baue ich einen Notgroschen auf?

Wenn Sie noch keinen Notgroschen haben, gibt es zwei Möglichkeiten:

Option A: Einmaliger Aufbau Wenn Sie über freie Mittel verfügen, überweisen Sie direkt den Zielbetrag auf ein Tagesgeldkonto. Das Konto ist schnell eingerichtet.

Option B: Schrittweiser Aufbau durch Sparrate Richten Sie eine monatliche Überweisung auf das Tagesgeldkonto ein. In dieser Phase investieren Sie noch nicht in ETFs — zuerst den Puffer füllen. Erst dann kommt der Sparplan.

Darf ich den Notgroschen irgendwann aufbrauchen?

Ja — für echte Notfälle. Das ist der Zweck. Wenn Sie ihn nutzen, bauen Sie ihn anschließend wieder auf, bevor Sie wieder in ETFs investieren.

Wichtig: Der Notgroschen ist keine Spardisziplin-Frage. Wer ihn für Urlaub oder Konsumausgaben nutzt, hat nach wenigen Jahren keinen Puffer mehr.

Notgroschen vs. Investieren — keine Entweder-oder-Entscheidung

Die Reihenfolge ist klar:

  1. Notgroschen aufbauen
  2. ETF-Sparplan starten

Beide existieren parallel — auf unterschiedlichen Konten, mit unterschiedlichem Zweck. Das Tagesgeldkonto ist nicht das Vermögen, das wächst. Es ist das Sicherheitsnetz, das verhindert, dass das wachsende Vermögen vorzeitig abgebaut werden muss.

Wie sieht eine realistische Budgetplanung für den Notgroschen aus?

Viele Menschen haben keinen Notgroschen, weil sie das Gefühl haben, nicht genug Geld übrig zu haben. Oft liegt das Problem aber nicht am Einkommen, sondern an fehlender Planung.

Einfache Methode: Die 50-30-20-Regel

  • 50 % des Nettoeinkommens für Fixkosten (Miete, Versicherungen, Lebensmittel)
  • 30 % für variable Ausgaben (Freizeit, Essen gehen, Hobbys)
  • 20 % für Sparen und Tilgen

Wer noch keinen Notgroschen hat, kann vorübergehend den 20-%-Anteil komplett dafür verwenden. Nach Aufbau des Notgroschens wird das Geld auf Schulden und Investitionen umverteilt.

Was tun, wenn der Notgroschen aufgebraucht wurde?

Wer den Notgroschen nutzen musste — wie er gedacht ist — sollte ihn so schnell wie möglich wieder aufbauen. Prioritäten nach einem Notfall:

  1. Laufende Kosten sichern: Miete, Lebensmittel, essentielle Ausgaben
  2. Akute Verbindlichkeiten regeln: Keine neuen hochverzinslichen Schulden aufnehmen
  3. Notgroschen wieder aufbauen: Bevor ETF-Sparplan fortgesetzt wird

Das bedeutet: ETF-Sparplan ggf. vorübergehend pausieren, bis der Notgroschen wieder steht. Das ist keine Niederlage — das ist der Plan, wie er funktionieren soll.

Notgroschen und Inflation — ein strukturelles Problem?

Ja. Geld auf dem Tagesgeldkonto verliert real an Kaufkraft, wenn die Inflationsrate höher ist als der Tagesgeld-Zins. Der Notgroschen ist trotzdem auf dem Tagesgeldkonto besser aufgehoben als in Aktien — der Zweck des Notgroschens ist Sicherheit und Verfügbarkeit, nicht Rendite.

Der Kaufkraftverlust des Notgroschens ist der Preis für Liquidität und Sicherheit. Er wird durch langfristige Investitionen des restlichen Vermögens ausgeglichen — nicht durch Umschichtung des Notgroschens in riskantere Anlagen.

Notgroschen vs. Kreditrahmen — warum nicht den Dispo nutzen?

Manche fragen: „Ich habe einen Dispositionskredit — brauche ich da noch einen Notgroschen?" Die Antwort: Ja.

Probleme mit dem Dispo als Notgroschen:

  • Der Dispo ist oft hochverzinst (10–15 % p. a.) — teures Geld
  • Der Dispo kann von der Bank gekürzt oder gestrichen werden — genau in Krisenzeiten
  • Dispo schafft Schulden — der Notgroschen ist schuldenfreies Eigenkapital

Der Dispo ist kein Notgroschen-Ersatz. Er ist ein Notfall-Notfallmechanismus für echte Engpässe, nicht für planmäßige Liquiditätsplanung.

Fazit

Der Notgroschen ist kein Luxus — er ist Voraussetzung. 3 bis 6 Monatsnettogehälter auf einem Tagesgeldkonto bilden das Fundament jeder soliden Finanzplanung. Wer ihn nicht hat, gefährdet seine langfristigen Anlagen in dem Moment, in dem das Leben Unerwartetes bringt.

Stand der Informationen: Juni 2026

Inhaltsverzeichnis

  • Was ist der Notgroschen?
  • Wie viel sollte der Notgroschen betragen?
  • Wo den Notgroschen anlegen?
  • Wann darf der Notgroschen angegriffen werden?
  • Wie baue ich den Notgroschen auf?
  • Praxisbeispiel
  • Fazit

Praxisbeispiel

Situation: Ein Arbeitnehmer (30 Jahre) hat ein Nettogehalt von 2.200 Euro monatlich. Er hat noch keinen Notgroschen und fragt sich, wie viel er braucht und wo er das Geld anlegen soll.

SituationEmpfohlener BetragBegründung
Angestellter, kein Auto, keine Kinder3 × 2.200 € = 6.600 €Stabiles Einkommen, geringes Reparaturrisiko
Selbstständiger, eigenes Auto6 × 2.200 € = 13.200 €Unregelmäßiges Einkommen, höheres Reparaturrisiko
Familie mit Kindern, Eigenheim6–9 × 2.200 €Höhere Ausgabenrisiken

Anlageform für den Notgroschen: Das Tagesgeldkonto ist durch die Einlagensicherung bis 100.000 Euro geschützt, täglich verfügbar und verzinst. Abgeltungssteuer (25 % + Soli) gilt auf Zinserträge über dem Sparerpauschbetrag. Ein Freistellungsauftrag sollte eingerichtet werden.

Aufbauplan (Beispiel): 50–100 Euro monatlich auf das Tagesgeldkonto überweisen, bis der Zielwert erreicht ist. Danach monatliche Überweisung auf ein ETF-Sparplan-Depot beginnen.

Risikohinweis: Tagesgeld ist keine renditestarke Anlage — der variable Zins kann unter die Inflationsrate sinken. Der Notgroschen dient der Liquiditätssicherung, nicht dem Vermögensaufbau. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar.

Stand: Juni 2026

<!-- gng-ymyl-v1 -->

Häufige Fragen

Quellen und weiterführende Informationen
Wir verlinken bevorzugt Primärquellen (Gesetze, Behörden, Anbieter-Originaldokumente) und kennzeichnen den jeweiligen Datenstand. Inhalte werden redaktionell geprüft und bei Bedarf aktualisiert.
  1. [1]BaFin – Finanzwissen: Einlagensicherung für Sparer
  2. [2]Deutsche Bundesbank – Tagesgeld und kurzfristige Sparanlagen
  3. [3]Einlagensicherungsgesetz (EinSiG) – Schutz von Bankeinlagen
  4. [4]Einkommensteuergesetz (EStG) § 43 – Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge
  5. [5]Bundesministerium der Finanzen – Sparerpauschbetrag und Freistellungsauftrag

Das könnte dich auch interessieren

Ratgeber

Was ist Tagesgeld?

Tagesgeld ist ein täglich verfügbares Sparkonto mit variablem Zins. Erfahren Sie, wie es funktioniert, worin es sich vom Girokonto unterscheidet und was bei der Wahl zu beachten ist.

Ratgeber

Geld anlegen als Anfänger: Der Leitfaden

Dieser Leitfaden erklärt Anfängern alles Wesentliche: Notgroschen aufbauen, Schulden tilgen, Risiko verstehen und den ersten ETF-Sparplan einrichten — ohne Produktwerbung.

Ratgeber

Geld anlegen mit 100 Euro monatlich

Schon mit 100 Euro im Monat lässt sich langfristig Vermögen aufbauen. Dieser Artikel erklärt, wie Sie die Sparrate sinnvoll einsetzen — für Notgroschen, Tagesgeld und ETF-Sparplan.

Ratgeber

Tagesgeld für Anfänger

Tagesgeld ist für Einsteiger eine der einfachsten Sparformen. Dieser Guide erklärt alle Grundlagen: Was ist es, wie sicher ist es, wie viel Zins gibt es und wie eröffne ich ein Konto?

Ratgeber

Risikotypen bei der Geldanlage

Ihr Risikoprofil bestimmt, welche Anlageformen zu Ihnen passen. Dieser Artikel erklärt die Dimensionen: Risikotragfähigkeit, Risikobereitschaft und Zeithorizont — ohne Produktzuordnung.

Ratgeber

Anlagehorizont bestimmen

Der Anlagehorizont ist eines der wichtigsten Kriterien bei der Wahl der Anlageform. Dieser Artikel erklärt, warum kurze, mittlere und lange Zeiträume unterschiedliche Strategien erfordern.

Ratgeber

häufige Anfängerfehler

Die meisten Anfängerfehler beim Investieren sind vermeidbar, wenn man sie kennt. Dieser Artikel erklärt die sieben häufigsten Fehler — von zu spätem Start bis zu emotionalen Entscheidungen.