Standarddepot Grundlagen

Standarddepot für Einsteiger: Einfach in die Altersvorsorge starten

Die Auffanglösung im Altersvorsorgedepot — kein ETF-Wissen erforderlich.

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Lesezeit: 9 Min.

Das Wichtigste in Kürze

Das Standarddepot ist die Einsteiger-Variante des Altersvorsorgedepots: Lifecycle-Strategie ohne eigene Produktwahl, staatliche Förderung und gesetzlicher Kostendeckel.

Wer erstmals in die private Altersvorsorge einsteigen möchte, findet im Standarddepot einen bewusst niedrigschwelligen Einstieg: Die Anlagestrategie ist vorgegeben, staatliche Förderung fließt automatisch und der gesetzliche Kostendeckel schützt vor überhöhten Gebühren. Eigenes ETF-Wissen ist nicht erforderlich.

Inhaltsverzeichnis

  • Was macht das Standarddepot zum Einsteiger-Instrument?
  • Förderung: Was Einsteiger erhalten
  • Die Lifecycle-Strategie für Einsteiger erklärt
  • Kostendeckel: Schutz ohne Eigenrecherche
  • Erste Schritte mit dem Standarddepot
  • Was Einsteiger wissen sollten
  • Häufige Einstiegsfragen
  • Für wen eignet sich das Standarddepot?
  • Vor- und Nachteile im Überblick
  • Vergleich: Standarddepot vs. freies Altersvorsorgedepot vs. ETF-Sparplan
  • Wie wechsle ich? Praktische Anleitung
  • Kosten im Detail
  • Steuern und Auszahlung
  • Praxis-Checkliste: Erste Schritte
  • Praxisbeispiel
  • Weiterführende Informationen
  • Quellen

Was macht das Standarddepot zum Einsteiger-Instrument?

Das Standarddepot nach dem Altersvorsorgereformgesetz (BGBl. I 2026 Nr. 156, Inkrafttreten 01.01.2027) ist die gesetzlich vorgeschriebene Basisvariante des Altersvorsorgedepots. Es ist als Auffanglösung konzipiert: Wer kein anderes Produkt aus dem genehmigten Anlageuniversum wählt, wird im Standarddepot angelegt.

Das macht es besonders einsteigerfreundlich:

  • Keine eigene ETF-Auswahl erforderlich — der Anbieter stellt die Strategie bereit
  • Gesetzlicher Kostendeckel von ≤ 1 % p. a. ALL-IN — kein Vergleich aufwendiger Gebührenstrukturen nötig
  • Lifecycle-Strategie passt das Risiko automatisch dem Lebensalter an
  • Staatliche Förderung fließt direkt ins Depot

Förderung: Was Einsteiger erhalten

Im Standarddepot erhält jeder Sparer dieselbe Förderung wie im freien Altersvorsorgedepot:

  • Grundzulage: 540 Euro pro Jahr (bei vollem Eigenbeitrag, d. h. in der Regel 4 % des rentenversicherungspflichtigen Einkommens, mindestens 120 Euro absolut)
  • Kinderzulage: bis zu 300 Euro je Kind pro Jahr (120 € für Kinder unter 3, 300 € ab 3 Jahren bis 17)
  • Berufseinsteiger-Bonus: einmalig 200 Euro für unter 25-Jährige

Die Zulage wird vom Bundeszentralamt für Steuern direkt in das Depot überwiesen und nimmt an der Wertentwicklung teil.

Wichtiger Tipp für Einsteiger: Wer einen Dauerzulagenantrag stellt, erhält die jährliche Zulage automatisch, ohne jedes Jahr einen neuen Antrag einzureichen.

Die Lifecycle-Strategie für Einsteiger erklärt

Die Lebenszyklus-Strategie (Lifecycle) ist das Herzstück des Standarddepots. Sie passt das Anlagerisiko automatisch dem Alter des Sparers an:

LebensphaseAnlageausrichtung
Junges Erwerbsleben (z. B. bis Mitte 40)Renditeorientiert: höherer Anteil Aktien-ETFs
Mittlere Erwerbsphase (Mitte 40–55)Gemischt: schrittweise Umschichtung
Vor Rentenbeginn (ab ca. 55–62)Sicherheitsorientiert: niedrigerer Risikoanteil

Das bedeutet konkret: Der Anbieter regelt die Umschichtung automatisch. Der Sparer muss nicht eingreifen, keine ETFs manuell umschichten und keinen Markt beobachten.

Für Einsteiger ist das ein wesentlicher Vorteil gegenüber dem freien Altersvorsorgedepot, wo die eigene Strategie und das Rebalancing Eigenverantwortung erfordern.

(Weiterführende Hinweise zu ETFs und Anlagestrategien finden Sie auch auf unserer Seite zu ETF und in der Themenwelt Geldanlage.)

Kostendeckel: Schutz ohne Eigenrecherche

Der gesetzliche Kostendeckel von maximal 1 % p. a. ALL-IN ist für Einsteiger besonders relevant: Er schützt vor überhöhten Gebühren, ohne dass der Sparer selbst Kosten analysieren und vergleichen muss. Im Standarddepot sind sämtliche Kosten — Verwaltungsgebühren des Anbieters und laufende Fondskosten (TER) — zusammen auf diesen Wert begrenzt.

Der Kostendeckel war eine direkte gesetzgeberische Reaktion auf die Kritik an der früheren Riester-Rente, bei der hohe Kosten die Nettorendite der Sparer erheblich belasteten.

Erste Schritte mit dem Standarddepot

Der Einstieg in das Standarddepot erfolgt in wenigen Schritten:

  1. Anbieter auswählen: Jeder zugelassene AVD-Anbieter muss das Standarddepot anbieten
  2. Konto eröffnen: Standardisierter Eröffnungsprozess mit Identitätsprüfung
  3. Dauerzulagenantrag stellen: Einmalig, damit die Grundzulage jedes Jahr automatisch fließt
  4. Monatliche Einzahlungen einrichten: Mindestbeitrag für volle Grundzulage abhängig vom Einkommen
  5. Lifecycle startet automatisch: Keine weiteren Aktionen erforderlich

(Bei Fragen zur Eröffnung sind auch Vergleichsseiten und ein Sparplan-Rechner hilfreich; siehe unseren Rechner.)

Was Einsteiger wissen sollten

  • Das Standarddepot unterliegt Marktrisiken: Der Depotwert schwankt mit den Wertpapierkursen. Eine Beitragsgarantie gibt es nicht.
  • Das Kapital ist bis zum Rentenbeginn gebunden (frühestens 62. Lebensjahr). Das Standarddepot ist kein kurzfristiges Sparprodukt.
  • Die nachgelagerte Besteuerung bedeutet: In der Ansparphase steuerfrei, Auszahlungen im Ruhestand einkommensteuerpflichtig.
  • Wer später mehr Kontrolle über die Anlage möchte, kann zum freien Altersvorsorgedepot wechseln.

Wenn Sie sich gleichzeitig über alternative Produkte informieren möchten, führt ein Blick auf unsere Seiten zum ETF, zum Thema Altersvorsorge oder zu Tagesgeld zu relevanten Vergleichspunkten.

Häufige Einstiegsfragen

Einsteiger fragen häufig: „Muss ich mich um die Anlagestrategie kümmern?" — Im Standarddepot: Nein. Die Lifecycle-Strategie läuft automatisch. „Was passiert, wenn die Kurse fallen?" — Kursschwankungen sind normal. Wer langfristig anlegt, hat historisch gesehen solche Phasen überstanden — allerdings ist das keine Gewähr für künftige Ergebnisse.

„Kann ich den Anbieter wechseln, wenn ich möchte?" — Ja, ein Anbieterwechsel ist möglich. Die Förderung bleibt erhalten.

Für wen eignet sich das Standarddepot?

Das Standarddepot richtet sich an Menschen, die einfache, staatlich geförderte Altersvorsorge ohne eigene Anlageentscheidung möchten. Typische Zielgruppen sind:

  • Berufseinsteiger ohne Vorkenntnisse zur Altersvorsorge
  • Sparer, denen ein niedriger Verwaltungsaufwand wichtig ist
  • Personen, die von der staatlichen Förderung unmittelbar profitieren wollen, ohne Fondsangebote zu vergleichen

Das Standarddepot ist weniger geeignet, wenn Sie bereits fundierte Kenntnisse in der Fonds- und ETF-Auswahl haben oder wenn Sie bestimmte nachhaltige oder thematische Anlagepräferenzen verfolgen möchten — in solchen Fällen kann das freie Altersvorsorgedepot oder ein persönlicher ETF-Sparplan sinnvoller sein.

Vor- und Nachteile im Überblick

Vorteile

  • Niedrige Komplexität und automatisierter Ablauf
  • Schutz durch gesetzlichen Kostendeckel
  • Staatliche Zulagen werden automatisch gutgeschrieben
  • Lifecycle-Strategie reduziert die Notwendigkeit für aktives Rebalancing

Nachteile

  • Geringere Individualisierung (keine freie ETF-Auswahl)
  • Eingeschränkte Möglichkeit, spezifische Anlagepräferenzen umzusetzen
  • Kapitalbindung bis zum Rentenbeginn

Vergleich: Standarddepot vs. freies Altersvorsorgedepot vs. ETF-Sparplan

Die folgende Tabelle fasst typische Unterschiede zusammen. Sie ersetzt keinen individuellen Vergleich, gibt aber eine schnelle Orientierung für Einsteiger.

MerkmalStandarddepotFreies AltersvorsorgedepotPrivater ETF-Sparplan
AnlageentscheidungVorgabe (Lifecycle)Sparer wählt aus genehmigtem UniversumSparer wählt frei (Broker/Depot)
KostenkontrolleGesetzlicher KostendeckelAbhängig vom AnbieterAbhängig von ETF-Auswahl & Broker
FörderzugangJa (gleich)JaIn der Regel nein (außer spezieller Verträge)
IndividualisierungNiedrigHochSehr hoch
RebalancingAutomatischMeist selbst zu steuernSelbst zu steuern

(Bei tieferem Interesse zu ETFs und Depots siehe unsere Seiten ETF und Depot.)

Wie wechsle ich? Praktische Anleitung

Ein Anbieterwechsel ist grundsätzlich möglich. Schritte in der Praxis:

  1. Informationen einholen: Nutzen Sie die Anbieterinformationen und unsere Vergleiche zur Einschätzung.
  2. Antragstellung: Der neue Anbieter unterstützt in der Regel beim Transfer des bestehenden Vertragsguthabens.
  3. Dauerzulagen-Einstellung prüfen: Stellen Sie sicher, dass Ihr Dauerzulagenantrag beim neuen Anbieter hinterlegt ist.
  4. Bestätigung und Prüfung: Nach dem Wechsel sollten Sie die Buchungsbestätigung und die erste Jahresinformation prüfen.

Hinweis: Für Details zur Übertragung sind die Anbieterunterlagen maßgeblich; prüfen Sie Fristen und mögliche Formalitäten beim alten und beim neuen Anbieter.

Kosten im Detail

Das Standarddepot fasst unterschiedliche Kostenarten unter dem gesetzlichen Kostendeckel zusammen. Typische Posten sind:

  • Verwaltungsgebühren des Anbieters
  • Laufende Fondskosten (TER) der eingesetzten ETFs/Fonds
  • Transaktionskosten bei Umschichtungen

Der Vorteil für Einsteiger ist, dass diese Posten nicht einzeln verglichen werden müssen, weil das Gesetz eine Obergrenze festlegt. Für einen vertieften Kostenvergleich zwischen Anbietern können unsere Vergleiche oder ein Kostenrechner hilfreich sein.

Steuern und Auszahlung

Wesentliche steuerliche Punkte in Kürze:

  • Während der Ansparphase werden Zulagen und Beiträge im Standarddepot nicht als laufendes Einkommen versteuert.
  • Auszahlungen im Ruhestand unterliegen der nachgelagerten Besteuerung.

Konkrete steuerliche Auswirkungen hängen von Ihrer persönlichen Situation ab (z. B. Rentenbezüge, sonstige Einkünfte). Wir geben hier keine Steuerberatung; bei steuerlichen Fragen wenden Sie sich an einen Steuerberater.

Praxis-Checkliste: Erste Schritte (kurz)

  • Prüfen, ob Sie bereits eine Zulagenberechtigung haben (z. B. Kinderfreibetrag, Wohnsitz)
  • Dauerzulagenantrag stellen
  • Monatliche Sparrate einrichten
  • Jahresinformation prüfen
  • Wechselmöglichkeiten und individuelle Anpassungswünsche dokumentieren

Praxisbeispiel

Ein 27-jähriger Berufseinsteiger (Jahreseinkommen: 30.000 €) eröffnet ein Standarddepot. Mit dem Mindestbeitrag erhält er die volle Grundzulage (540 €/Jahr) und den einmaligen Berufseinsteiger-Bonus (200 €). Die Lifecycle-Strategie läuft automatisch — er muss sich um nichts kümmern.

Erläuterung: In diesem Beispiel nutzt die Person die staatliche Förderung vollständig und profitiert von der automatischen Umschichtung im Zeitverlauf. Wer eine andere Strategie möchte, kann später in das freie Altersvorsorgedepot wechseln.

Weiterführende Informationen

  • Detaillierte Erläuterungen zu ETF-Strategien: ETF
  • Überblick über private Geldanlage: Geldanlage
  • Rechner für monatliche Sparraten und Zulagen: Rechner

Quellen

[1] Bundesministerium der Finanzen (BMF): Gesetzestexte und Erläuterungen zum Altersvorsorgereformgesetz.

[2] BaFin: Hinweise zur Aufsicht und zulässigen Produktkriterien für Altersvorsorgedepots.

[3] Bundeszentralamt für Steuern (BZSt): Informationen zur Zulagenzahlung und Verfahren für Dauerzulagenanträge.

[4] Bundesbank / Statistik: Daten zur privaten Altersvorsorge und Anlageverhalten.

[5] BGBl / EUR-Lex: Originalpublikation des Altersvorsorgereformgesetzes (BGBl. I 2026 Nr. 156).

(Die obenstehenden Quellenhinweise sind als Startpunkt gedacht. Für rechtliche oder steuerliche Verbindlichkeit sind die Originaltexte und amtliche Publikationen zu konsultieren.)

Häufige Fragen

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