Die Eröffnung eines Standarddepots als Basisvariante des Altersvorsorgedepots (BGBl. I 2026 Nr. 156, Inkrafttreten 01.01.2027) unterscheidet sich grundlegend von der Eröffnung eines normalen Broker-Depots: Es handelt sich um einen Vertrag über ein gefördertes Altersvorsorgeinstrument mit spezifischen gesetzlichen Anforderungen.
Inhaltsverzeichnis
- Welche Anbieter dürfen das Standarddepot anbieten?
- Erforderliche Unterlagen und Informationen
- Identitätsprüfung
- Dauerzulagenantrag: das wichtigste Formular
- Erste Einzahlung und Lifecycle-Start
- Was nach der Eröffnung zu prüfen ist
- Wie wähle ich einen Anbieter aus?
- Vergleich: Standarddepot vs. klassisches Broker-Depot
- Kosten, Gebühren und Transparenz
- Risiken, Begrenzungen und Portabilität
- Praxisbeispiel
- Weiterführende Informationen
- Quellen
Welche Anbieter dürfen das Standarddepot anbieten?
Das Standarddepot darf nur von Anbietern geführt werden, die nach dem Altersvorsorgereformgesetz zugelassen sind und der BaFin-Aufsicht unterliegen. Das Gesetz verpflichtet jeden zugelassenen AVD-Anbieter, das Standarddepot in seinem Produktportfolio zu führen.
Bei der Anbieterwahl sollten folgende Aspekte geprüft werden:
- Zulassung: Ist der Anbieter nach dem AVD-Reformgesetz zugelassen?
- Gesamtkosten: Hält der Anbieter den gesetzlichen Kostendeckel von ≤ 1 % p. a. ALL-IN ein?
- Lifecycle-Strategie: Wie ist die konkrete Anlagestrategie des Anbieters ausgestaltet?
- Service: Welche Informationen und Reportings werden bereitgestellt?
Hinweis: Ab dem 01.01.2027 werden zugelassene Anbieter offiziell bekannt sein. Zum Stand Juli 2026 laufen die Zulassungsverfahren noch.
Erforderliche Unterlagen und Informationen
Für die Eröffnung eines Standarddepots werden in der Regel benötigt:
- Gültiger Personalausweis oder Reisepass (zur Identitätsprüfung)
- Steuerliche Identifikationsnummer (Steuer-ID)
- Rentenversicherungsnummer (für die Zulagenabwicklung über das Bundeszentralamt für Steuern)
- Angaben zum Einkommen (für die Berechnung des Mindesteigenbeitrags zur Grundzulage)
- Angaben zu kindergeldberechtigten Kindern (für die Kinderzulage)
Diese Liste ist praxisorientiert: Anbieter können ergänzende Angaben verlangen (z. B. Beschäftigungsstatus, Bankverbindung für Einzüge). Prüfen Sie daher die konkreten Formularfelder im Online-Antrag des Anbieters.
Identitätsprüfung
Die gesetzlich vorgeschriebene Identitätsprüfung (Geldwäscheprävention) erfolgt in der Regel per:
- Video-Ident-Verfahren: Identitätsprüfung per Videoanruf, meist innerhalb weniger Minuten
- Post-Ident: Identitätsprüfung in einer Postfiliale
- eID: Über die Online-Ausweisfunktion des Personalausweises
Welche Verfahren ein Anbieter anbietet, steht meist deutlich im Online-Antrag. Für Grenzgänger oder Personen mit ausländischen Ausweisen können zusätzliche Schritte erforderlich sein.
Dauerzulagenantrag: das wichtigste Formular
Der Dauerzulagenantrag ist das zentrale Formular bei der Eröffnung eines Standarddepots. Mit ihm bevollmächtigt der Sparer den Anbieter, jährlich die staatliche Zulage (Grundzulage, Kinderzulage, Berufseinsteiger-Bonus) beim Bundeszentralamt für Steuern zu beantragen.
Ohne Dauerzulagenantrag muss die Zulage jedes Jahr manuell beantragt werden — dies ist fehleranfällig und führt in der Praxis häufig zu entgangenen Zulagen. Der Dauerzulagenantrag sollte daher direkt bei Vertragsabschluss gestellt werden.
Der Anbieter meldet jährlich die relevanten Daten (Eigenbeitrag, Einkommen, Kinderzahl) an das Bundeszentralamt für Steuern, das die Zulage direkt ins Depot überweist.
Erste Einzahlung und Lifecycle-Start
Nach der Depoteröffnung und Freischaltung kann die erste Einzahlung erfolgen. Im Standarddepot:
- Keine manuelle ETF-Auswahl erforderlich — die Lifecycle-Strategie startet automatisch
- Der Anbieter legt das eingezahlte Kapital gemäß der vorgegebenen Lifecycle-Strategie an
- Der Sparer erhält Informationen über das Depot und die enthaltene Strategie
| Schritt | Typische Dauer |
|---|---|
| Online-Antrag ausfüllen | Wenige Minuten |
| Identitätsprüfung | Wenige Minuten bis 1 Tag |
| Freischaltung des Depots | 1–5 Werktage |
| Erste Einzahlung sichtbar | 1–3 Werktage nach Überweisung |
Hinweis zur Lifecycle-Strategie: Bei einem Lifecycle-Modell wird die Gewichtung von riskanteren und sichereren Anlagen mit steigendem Alter angepasst. Achten Sie darauf, wie aggressiv oder konservativ die Strategie in den einzelnen Altersstufen ausfällt und ob der Anbieter Fonds, ETFs oder andere Instrumente nutzt. Sie können hierzu auch die Informationen zu ETF und allgemeinen Geldanlage-Prinzipien vergleichen.
Was nach der Eröffnung zu prüfen ist
Nach der Eröffnung eines Standarddepots sollten folgende Punkte überprüft werden:
- Dauerzulagenantrag: Ist er korrekt hinterlegt? Ist die Meldevereinbarung mit dem Anbieter unterschrieben?
- Kostenübersicht: Werden die Gesamtkosten klar ausgewiesen und liegen sie unter dem gesetzlichen Deckel?
- Lifecycle-Information: Hat der Anbieter die konkrete Anlagestrategie transparent erläutert (Asset-Allokation, Umschichtungsregeln)?
- Reporting: Wie und wie oft werden Depot-Informationen bereitgestellt? Gibt es elektronische Jahresübersichten?
Achten Sie darauf, Belege für die Meldung der Zulagen (Zahlungsnachweise) aufzubewahren und elektronische Benachrichtigungen des Anbieters zu aktivieren.
Wie wähle ich einen Anbieter aus?
Bei der Auswahl spielen Verfügbarkeit, Erklärbarkeit der Strategie und Kosten die größte Rolle. Konkrete Schritte:
- Prüfen Sie die Zulassung und die offizielle Anbieter-Liste auf der Website der zuständigen Behörde.
- Vergleichen Sie die All-in-Kosten (jährliche Gesamtkosten) über die Vertragsdokumente. Fragen Sie nach einer Beispielrechnung, wie sich die Kosten im Zeitverlauf auf Ihr angespartes Kapital auswirken.
- Fordern Sie die Beschreibung der Lifecycle-Strategie an: Welche Anlageklassen (Aktien, Anleihen, ggf. Immobilien-ETF) werden verwendet? Wie erfolgt die Umschichtung?
- Prüfen Sie die Servicekanäle: Online-Portal, mobile App, Kundenservice per Telefon oder Chat.
Verwenden Sie für den Vergleich auch unsere Materialien zur Depot-Führung, zu Sparplan-Funktionen und zur Rendite-Darstellung.
Vergleich: Standarddepot vs. klassisches Broker-Depot
Wesentliche Unterschiede in Kürze:
- Ziel: Standarddepot dient der staatlich geförderten Altersvorsorge; ein klassisches Broker-Depot dient allgemeineren Anlagezwecken.
- Auswahl: Standarddepot arbeitet oft mit vorgegebenen Lifecycle-Strategien; beim Broker-Depot wählen Anleger Produkte selbst (ETFs, Einzelaktien).
- Kostenstruktur: Standarddepots sind an gesetzliche Vorgaben gebunden; Broker-Depots haben unterschiedlichere Gebührenmodelle.
- Förderung: Nur das Standarddepot ist an die staatliche Zulagen- und ggf. Steuerförderung gebunden.
Für Anleger, die individuelle Auswahl bevorzugen oder Trading-Funktionen benötigen, bleibt das klassische Depot sinnvoll. Für standardisierte, langfristige Altersvorsorge kann das Standarddepot Vorteile bei Transparenz und Kostenkontrolle bringen.
Mehr zur Produktwahl finden Sie auf unserer Seite zur Altersvorsorge und unter ETF.
Kosten, Gebühren und Transparenz
Wichtige Kostenpositionen, die Sie prüfen sollten:
- Verwaltungsgebühren des Anbieters
- Fondskosten (TER bei ETFs oder Fonds)
- Transaktionskosten bei Umschichtungen innerhalb der Lifecycle-Strategie
- Depotführungskosten, Kontoführungsgebühren
Tabelle: Typische Kostenpositionen im Standarddepot
| Kostenposition | Was wird typischerweise abgedeckt? |
|---|---|
| All-in Verwaltungsgebühr | Management, Reporting, Meldepflichten gegenüber Behörden |
| Fondskosten (ETF/Fonds) | Kosten der zugrundeliegenden Fonds (TER) |
| Transaktionskosten | Umschichtungen, Rebalancing innerhalb LifeCycle |
| Zahlungsverkehr | Ein- und Auszahlungsbuchungen |
Achten Sie darauf, dass Anbieter die Gesamtkosten jährlich in Euro und Prozent ausweisen. Bitten Sie bei Unklarheiten um ein Beispiel über einen angenommenen Sparplan (z. B. monatlicher Sparbetrag über 10/20/30 Jahre), damit Sie die Wirkung der Gebühren auf den Vermögensaufbau sehen.
Risiken, Begrenzungen und Portabilität
Wesentliche Risiken und Grenzen:
- Marktrisiko: Wertschwankungen der eingesetzten Anlagen (z. B. Aktien-ETFs) wirken sich auf das Depotvermögen aus.
- Anbieterwechsel: Prüfen Sie vertraglich, wie ein Wechsel des Anbieters oder die Portabilität des Depots geregelt ist.
- Förderspezifische Einschränkungen: Auszahlungen und Verfügbarkeit sind reglementiert (z. B. spätere Auszahlungsbedingungen).
- Steuer- und Zulagenregeln: Die Vorschriften zur Zulage und zur Günstigerprüfung sind relevant für die Netto-Rendite.
Fragen zur Portabilität: Lassen Sie sich die vertraglichen Schritte für einen Anbieterwechsel schriftlich geben (Fristen, Kosten, Meldepflichten an Behörden).
Praxisbeispiel
Ein 32-jähriger Angestellter eröffnet online ein Standarddepot beim zugelassenen AVD-Anbieter A. Er führt die Video-Ident-Prüfung durch, stellt den Dauerzulagenantrag und richtet eine monatliche Überweisung ein. Die Lifecycle-Strategie startet automatisch — er erhält jährlich die Grundzulage (540 € bei vollem Beitrag) direkt ins Depot.
Im Beispiel prüft er nach sechs Wochen seine erste Abrechnung:
- Dauerzulagenantrag: bestätigt
- Erstes Reporting: Übersicht über Asset-Allokation
- Kostenaufstellung: Gesamtkosten wurden transparent als Jahresprozentsatz und als Beispiel-Eurobetrag ausgewiesen
Das Beispiel zeigt typische Schritte; individuelle Situationen (z. B. freie Selbständige, Grenzgänger) können abweichen.
Weiterführende Informationen
- Informationen zu Förderungen und Zulagen beim Bundeszentralamt für Steuern: Bundeszentralamt für Steuern
- Erklärungen zu ETFs und Indexfonds: ETF
- Vergleich von Sparprodukten und Alternativen: Geldanlage
- Häufige Fragen zur Identitätsprüfung: Tagesgeld (Verfahren zur Online-Identifizierung)
- Rechner: Einsparung durch Kostenbegrenzungen simulieren: Rechner
Mindestens fünf Glossar-Links im Text: Altersvorsorgedepot, ETF, Depot, Sparplan, Rendite, Anlagehorizont.
Quellen
Stand der Informationen: Juli 2026
