Riester-Wechsel

Riester ins Standarddepot übertragen: Was das bedeutet

Das Standarddepot ist die Basisvariante des neuen Altersvorsorgedepots. Hier erfahren Sie, was eine Übertragung bedeutet, welche Schritte nötig sind und worauf Sie achten sollten.

Zuletzt aktualisiert am

Lesezeit: 8 Min.

Das Wichtigste in Kürze

Das Standarddepot ist die gesetzlich definierte Basisvariante des Altersvorsorgedepots nach dem Altersvorsorgereformgesetz. Es ersetzt ab 2027 das bisherige Riester-System. Eine Übertragung aus einem Riester-Vertrag ist als begünstigte Übertragung möglich.

Was ist das Standarddepot?

Inhaltsverzeichnis

  • Was ist das Standarddepot?
  • Wie unterscheidet sich das Standarddepot vom alten Riester?
  • Begünstigte Übertragung: Schritt für Schritt erklärt
  • Übertragungswert: Was Sie erhalten
  • Steuerliche Behandlung der Übertragung
  • Wann eine Übertragung sinnvoll sein kann
  • Risiken und Nachteile einer Übertragung
  • Checkliste vor der Übertragung
  • Praxisbeispiel
  • Weiterführende Begriffe

Das Standarddepot ist die gesetzliche Basisvariante des Altersvorsorgedepots (AVD), das durch das Altersvorsorgereformgesetz (BGBl. I 2026 Nr. 156) eingeführt wurde und ab dem 1. Januar 2027 in Kraft tritt. Es handelt sich nicht um ein gewöhnliches Wertpapierdepot, sondern um ein steuerlich gefördertes Vorsorgekonto mit klar definierten Anforderungen an die Anlagestrategie, die Kostenstruktur und die Auszahlungsmodalitäten.

Das Standarddepot zeichnet sich durch einen gesetzlich festgelegten Kostendeckel aus, der die Verwaltungsgebühren auf maximal 1,00 % des Depotvolumens pro Jahr begrenzt. Anbieter müssen mindestens ein kostengünstiges, breit diversifiziertes Basisprodukt – in der Regel ein global investierter ETF oder Indexfonds – anbieten. Die Anlage erfolgt nach dem Lebenszyklusmodell: Jüngere Sparer können einen höheren Aktienanteil halten, während mit zunehmendem Alter automatisch oder manuell in risikoärmere Anlageformen umgeschichtet werden soll.

Wie unterscheidet sich das Standarddepot vom alten Riester?

Der Hauptunterschied liegt in der Förderarchitektur. Die bisherige Riester-Förderung kombinierte staatliche Zulagen mit einem Sonderausgabenabzug bis zu 2.100 Euro jährlich. Das Standarddepot im Rahmen des AVD setzt auf eine reformierte Förderstruktur: Beiträge werden mit einem staatlichen Sockelbeitrag und einem steuerlichen Abzug bis zu einer angehobenen Grenze gefördert. Garantien auf das eingezahlte Kapital – bisher ein Kennzeichen vieler Riester-Produkte – sind beim Standarddepot nicht vorgeschrieben. Dadurch können höhere Renditechancen entstehen, verbunden jedoch mit entsprechenden Marktrisiken.

Ein weiterer wesentlicher Unterschied: Das Standarddepot ist deutlich einfacher strukturiert als viele Riester-Vertragsarten. Es gibt keine versicherungstypischen Verwaltungsgebühren, keine Ausgabeaufschläge und keine komplizierten Garantiemechanismen. Diese Vereinfachung soll Transparenz und Vergleichbarkeit erhöhen.

Begünstigte Übertragung: Schritt für Schritt erklärt

Wenn Sie Ihren bestehenden Riester-Vertrag auf ein Standarddepot übertragen möchten, ist dies als sogenannte begünstigte Übertragung möglich. Dabei werden das angesparte Kapital inklusive erhaltener Zulagen und Steuervorteile in den neuen Vertrag überführt, ohne dass eine schädliche Verwendung eintritt und Rückforderungen ausgelöst werden.

Schritt 1: Neuen AVD-Anbieter auswählen. Vergleichen Sie verfügbare Standarddepot-Anbieter anhand von Kosten, Anlageoptionen und Service. Ab 2027 müssen alle zugelassenen Anbieter das Standarddepot anbieten.

Schritt 2: Übertragungsantrag stellen. Wenden Sie sich an Ihren neuen Anbieter und stellen Sie einen Übertragungsantrag. Sie benötigen dazu Ihre Riester-Vertragsnummer und Steueridentifikationsnummer.

Schritt 3: Kündigungsfrist beachten. Ihr bisheriger Riester-Anbieter hat das Recht, bis zu drei Monate nach dem Ende eines Kalenderquartals für die Übertragung zu benötigen. Planen Sie ausreichend Zeit ein.

Schritt 4: ZfA-Meldung. Die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) wird automatisch über den Anbieterwechsel informiert. Die Zulagenansprüche werden auf den neuen Vertrag übertragen.

Schritt 5: Anlageentscheidung treffen. Nach der Übertragung legen Sie im Standarddepot fest, wie das übertragene Kapital angelegt werden soll. Achten Sie auf die Kostenstruktur der gewählten Fonds oder ETFs.

Übertragungswert: Was Sie erhalten

Der Übertragungswert ist der Betrag, der tatsächlich auf das neue Standarddepot übergeht. Er kann vom aktuellen Vertragswert abweichen, weil manche Anbieter sogenannte Stornoabzüge oder Übertragungskosten berechnen dürfen. Informieren Sie sich vorab bei Ihrem aktuellen Anbieter über mögliche Abzüge. Das Bundesfinanzministerium hat die zulässige Höhe dieser Abzüge gesetzlich begrenzt.

Steuerliche Behandlung der Übertragung

Die begünstigte Übertragung ist steuerlich neutral. Das bedeutet: Sie müssen keine Steuern auf das übertragene Kapital zahlen, und die erhaltenen Zulagen bleiben erhalten. Der neue Vertrag übernimmt den bisherigen Förderstand. Die Besteuerung erfolgt erst in der Auszahlungsphase nach dem Prinzip der nachgelagerten Besteuerung: Die Auszahlungen werden dann als Einkommen versteuert, sofern die Beiträge zuvor steuerlich abgezogen wurden.

Wann eine Übertragung sinnvoll sein kann

Eine Übertragung ins Standarddepot kann in verschiedenen Situationen erwogen werden: wenn der bisherige Riester-Vertrag hohe Kosten aufweist, wenn keine Garantien benötigt werden und eine chancenorientierte Anlage präferiert wird, oder wenn der bestehende Anbieter kein AVD-Standarddepot anbietet und ein Wechsel ohnehin ansteht. Die Entscheidung ist individuell und hängt von der persönlichen Risikotoleranz, dem Renteneintrittsalter und den bisherigen Vertragsbedingungen ab.

Risiken und Nachteile einer Übertragung

Nicht jeder Wechsel ist automatisch vorteilhaft. Übertragungskosten können die Rendite belasten. Wer wenig Zeit bis zur Rente hat, trägt im Standarddepot ohne Garantien ein höheres Verlustrisiko. Außerdem gehen eventuelle Bestandsgarantien aus dem alten Riester-Vertrag – etwa ein garantierter Rentenfaktor oder ein Mindestleistungsversprechen – nach der Übertragung verloren.

Checkliste vor der Übertragung

Vor einer Übertragungsentscheidung empfiehlt es sich, die folgenden Punkte zu prüfen:

  • Wie hoch sind die Übertragungskosten beim bisherigen Anbieter?
  • Welche Garantien verliere ich durch den Wechsel?
  • Wie hoch sind die laufenden Kosten des Standarddepots beim neuen Anbieter?
  • Wie viele Jahre bis zur geplanten Altersvorsorge-Entnahme verbleiben noch?
  • Passt die Anlagestrategie des Standarddepots zur persönlichen Risikotoleranz?

Eine schriftliche Kostenübersicht (gesetzlich vorgeschrieben) hilft beim Vergleich. Unabhängige Informationsquellen wie Verbraucherzentralen können bei der Einordnung helfen.

Praxisbeispiel

Situation: Ein Arbeitnehmer (41 Jahre) möchte seinen Riester-Fondssparplan in ein Standarddepot (ungefördert) wechseln, weil er mehr Anlagefreiheit will.

Wichtige Unterscheidung:

  • Ein gefördertes AVD-Depot ist kein Standarddepot. Wer in ein normales Aktiendepot wechselt, gibt die staatliche Förderung auf.
  • Die Übertragung eines Riester-Vertrags auf ein ungefördetes Depot gilt als schädliche Verwendung: Zulagen und Steuervorteile müssen zurückgezahlt werden.

Was bedeutet „Riester ins Standarddepot" tatsächlich?

Viele meinen damit den Wechsel zu einem Altersvorsorgedepot mit ETF-Investitionen — das ist kein normales Standarddepot, sondern ein gefördertes Depot mit ähnlicher Anlagefreiheit wie ein Aktiendepot.

Fazit: Riester-Kapital kann nur auf andere geförderte Produkte (AVD, anderer Riester-Anbieter) übertragen werden, ohne Zulagen zu verlieren. Ein echter Wechsel ins freie Aktiendepot ist eine Kündigung mit Rückzahlungspflicht.

Risikohinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlage- oder Steuerberatung dar.

Stand: Juli 2026

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Weiterführende Begriffe

Für ein tieferes Verständnis der Themen in diesem Artikel empfehlen wir folgende Glossareinträge:

  • Altersvorsorge — Überblick über alle Formen der privaten und staatlichen Altersvorsorge
  • Rentenversicherung — Funktionsweise der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland
  • ETF — Exchange Traded Funds: kostengünstige, börsengehandelte Indexfonds
  • Abgeltungssteuer — Kapitalertragssteuer auf Zinsen, Dividenden und Kursgewinne
  • Sparerpauschbetrag — Jährlicher Freibetrag von 1.000 Euro (Alleinstehende) auf Kapitalerträge
  • Zinseszins — Wie Erträge auf bereits erzielte Erträge weiterwachsen

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Überblick

MerkmalBeschreibung
ZielgruppePrivatanleger
InformationsstandAktuelle gesetzliche Lage
Weitere DetailsSiehe Quellen und verwandte Artikel

Häufige Fragen

Quellen und weiterführende Informationen
Wir verlinken bevorzugt Primärquellen (Gesetze, Behörden, Anbieter-Originaldokumente) und kennzeichnen den jeweiligen Datenstand. Inhalte werden redaktionell geprüft und bei Bedarf aktualisiert.
  1. [1]Altersvorsorgereformgesetz (BGBl. I 2026 Nr. 156)
  2. [2]Bundesministerium der Finanzen – Riester-Rente
  3. [3]Bundesministerium für Arbeit und Soziales – Altersvorsorge
  4. [5]Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)
  5. [6]Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA)

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