Frühstartrente – Kosten, ETF & Erträge

Frühstartrente mit ETFs: Was ist erlaubt?

Erlaubte Anlageprodukte nach dem Referentenentwurf.

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Lesezeit: 6 Min.

Das Wichtigste in Kürze

In der Frühstartrente sind regulierte, diversifizierte Anlageprodukte erlaubt – voraussichtlich OGAW-konforme ETFs und Investmentfonds. Einzelaktien und Krypto sind ausgeschlossen.

Inhaltsverzeichnis

  • Welche Anlageprodukte sind erlaubt?
  • Was sind OGAW-konforme ETFs?
  • Warum ETFs im Fokus stehen
  • Welche Indizes eignen sich?
  • Was ist nicht erlaubt?
  • Kostenrelevanz bei ETF-Auswahl
  • Praxisbeispiel: ETF-Wahl für ein Kinderdepot
  • Fazit
Hinweis: Alle Angaben basieren auf dem BMF-Referentenentwurf vom 21. Juli 2026 – noch kein geltendes Recht.

Welche Anlageprodukte sind erlaubt?

Der Referentenentwurf beschreibt die zulässigen Anlageprodukte als regulierte, diversifizierte Finanzinstrumente. Konkret sind voraussichtlich OGAW-konforme Investmentfonds und ETFs erlaubt. OGAW steht für „Organismus für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren" und bezeichnet den EU-weit geregelten Rahmen für Publikumsfonds und ETFs.

Nicht erlaubt sind nach aktuellem Entwurfsstand: Einzelaktien, Derivate, Hebelprodukte, Kryptowährungen und andere spekulative Instrumente. Auch physische Edelmetalle oder Rohstoff-Direktinvestments dürften ausgeschlossen sein. Das Ziel ist eine risikoreduzierte, breit gestreute Anlage, die für einen 65-jährigen Anlagehorizont geeignet ist.

Was sind OGAW-konforme ETFs?

OGAW (englisch: UCITS) ist der europäische Regulierungsrahmen für Investmentfonds, der seit 1985 existiert und regelmäßig aktualisiert wird. OGAW-konforme ETFs müssen:

  • Mindestens 70 % in transferierbare Wertpapiere investiert sein
  • Diversifiziert sein (Einzeltitel-Obergrenzen beachten)
  • Von einer regulierten Verwaltungsgesellschaft verwaltet werden
  • Transparente Informationen bereitstellen (KIID/KID-Dokument)
  • Der Aufsicht durch eine nationale Behörde (in Deutschland: BaFin) unterliegen

Praktisch alle handelsüblichen ETFs auf globale Aktienindizes (MSCI World, FTSE All-World, S&P 500) sind OGAW-konform. Sie bieten Diversifikation über Hunderte bis Tausende Unternehmen weltweit.

Warum ETFs im Fokus stehen

ETFs sind aus mehreren Gründen prädestiniert für die Frühstartrente:

  1. Kostengünstig: TERs von 0,07–0,20 % p. a. passen problemlos in den 1 %-Gesamtdeckel
  2. Breit gestreut: Ein globaler ETF hält 1.500–9.000 Unternehmen aus Dutzenden Ländern
  3. Reguliert: OGAW-Status sichert Anlegerschutz und Transparenz
  4. Passiv verwaltbar: Kein aktives Management notwendig, was die Kosten niedrig hält
  5. Thesaurierend verfügbar: Automatische Wiederanlage von Erträgen (kein händisches Reinvestieren)

Aktiv verwaltete Fonds haben typischerweise TERs von 1,0–2,5 % p. a. und überschreiten damit bereits den Gesamtdeckel – oder lassen kaum Spielraum für Depotgebühren. Das macht passive ETFs zur naheliegenden Lösung innerhalb des gesetzlichen Rahmens.

Welche Indizes eignen sich?

Für eine 65-jährige Anlagedauer empfehlen Finanzwissenschaftler grundsätzlich eine breite, globale Diversifikation:

IndexAbdeckungEnthaltene Titel (ca.)
MSCI WorldIndustrieländerca. 1.500
MSCI ACWIGlobal (inkl. Schwellenländer)ca. 2.900
FTSE All-WorldGlobal (inkl. Schwellenländer)ca. 4.200
S&P 500USA-Unternehmen500

Eine fondssuche.com-Produktempfehlung ist aus neutralen Gründen nicht Inhalt dieses Artikels. Der konkrete ETF, der in der Frühstartrente eingesetzt wird, hängt vom Anbieter und der endgültigen Gesetzgebung ab.

Was ist nicht erlaubt?

Die folgenden Produktkategorien sind nach aktuellem Entwurfsstand voraussichtlich ausgeschlossen:

  • Einzelaktien: Zu hohes Einzeltitelrisiko, fehlende Diversifikation
  • Kryptowährungen: Keine OGAW-Regulierung, hohe Volatilität
  • Hebelprodukte (CFDs, Optionsscheine): Verlustrisiko über Einstandspreis
  • Nicht regulierte Fonds: Fehlende BaFin-Aufsicht
  • Physische Rohstoffe/Edelmetalle: Keine OGAW-Konformität
  • P2P-Kredite oder Crowdinvesting: Nicht reguliert

Kostenrelevanz bei ETF-Auswahl

Nicht alle ETFs auf denselben Index kosten gleich viel. Die TER variiert zwischen Anbietern: Für den MSCI World gibt es ETFs mit TERs von 0,10 % bis über 0,50 % p. a. Der Gesamtdeckel von 1 % erlaubt auch höhere ETF-TERs, solange die Depotgebühren entsprechend niedrig sind.

Über 65 Jahre macht die Kostendifferenz einen erheblichen Unterschied – wie im Artikel Kosten und Kostendeckel gezeigt. Eine möglichst niedrige TER ist langfristig immer vorteilhaft.

Praxisbeispiel: ETF-Wahl für ein Kinderdepot

Familie Richter eröffnet für Tochter Clara (geboren 2025) ein Depot bei einem zugelassenen Anbieter. Sie wählen einen globalen ETF auf den FTSE All-World mit einer TER von 0,22 % p. a. Depotgebühren: 0,10 % p. a. Gesamtkosten: 0,32 % p. a. – weit unter dem 1 %-Deckel.

Bei einer Bruttorendite des FTSE All-World von angenommenen 7 % p. a. ergibt sich eine Nettorendite von ca. 6,68 %. Der staatliche Beitrag von 10 €/Monat für 17 Jahre (Clara ist 1 Jahr alt bei Inkrafttreten 2026) ergibt am 18. Geburtstag rund 4.100 €. Dieses Kapital wächst bis Claras 65. Geburtstag auf ca. 108.000 Euro an. Berechnen Sie Ihre Projektion im Frühstartrente-Rechner.

Fazit

ETFs sind das wahrscheinliche Herzstück der Frühstartrente – kostengünstig, reguliert, diversifiziert und für Jahrzehnte geeignet. Der gesetzliche Kostendeckel begünstigt passive Indexprodukte. Welche Produkte konkret angeboten werden, steht erst nach dem Inkrafttreten des Gesetzes fest. Eltern sollten bereits jetzt die Grundprinzipien der Kostenoptimierung verstehen.

Warum ETFs im Frühstartrenten-Depot eine sinnvolle Wahl sein können

Die Wahl der Anlageform in einem Frühstartrenten-Depot hat erhebliche Auswirkungen auf das langfristige Endergebnis. ETFs (Exchange Traded Funds) sind eine Anlageklasse, die in der finanzwissenschaftlichen Literatur für langfristige Sparpläne häufig diskutiert wird.

Kosteneffizienz

Ein wesentliches Merkmal von ETFs sind ihre vergleichsweise niedrigen laufenden Kosten. Aktiv verwaltete Fonds erheben in der Regel jährliche Verwaltungsgebühren von 1,0 bis 2,5 % des Fondsvermögens. Kostengünstige Indexfonds können bei 0,1 bis 0,5 % liegen. Über einen 60-jährigen Anlagehorizont summiert sich der Kostenunterschied erheblich.

Im Frühstartrenten-System gilt ein Kostendeckel für die Depotkosten. ETFs, die innerhalb des Depots erworben werden, unterliegen ihren eigenen Kostenstrukturen (TER), die durch das Depot-Kostendeckel nicht direkt begrenzt werden.

Breite Diversifikation

Globale Aktienindex-ETFs investieren in Hunderte oder Tausende von Unternehmen aus verschiedenen Ländern und Branchen. Diese breite Diversifikation reduziert das Risiko, dass ein einzelnes Unternehmen oder ein einzelner Markt das Gesamtergebnis wesentlich beeinträchtigt.

Transparenz

ETFs veröffentlichen ihre Zusammensetzung regelmäßig. Anleger können jederzeit nachvollziehen, in welche Wertpapiere ihr Kapital investiert ist. Diese Transparenz ist ein regulatorisches Merkmal, das bei aktiv verwalteten Fonds in dieser Form nicht immer vorhanden ist.

Anlagestrategien im Detail

Innerhalb des Frühstartrenten-Depots sind verschiedene ETF-Strategien denkbar:

Ein-ETF-Strategie: Ein global diversifizierter Welt-Aktien-ETF (z. B. auf Basis eines breiten Weltindex) deckt viele Märkte ab. Diese Strategie ist einfach, kostengünstig und erfordert wenig Verwaltungsaufwand.

Zwei-ETF-Strategie: Kombination aus einem Industrie-ETF und einem Schwellenländer-ETF. Die Gewichtung kann individuell angepasst werden.

Faktor-Strategien: Manche ETFs gewichten Aktien nicht nur nach Marktkapitalisierung, sondern nach Faktoren wie Wert, Qualität oder Momentum. Diese Ansätze sind komplexer und nicht für jeden Anleger geeignet.

Für ein Frühstartrenten-Depot mit staatlichen Monatsbeiträgen ohne eigenen Mehrbeitrag empfiehlt sich aus Verwaltungsperspektive eine einfache Strategie mit geringem Rebalancing-Bedarf.

Steuerliche Überlegungen

ETFs in einem Frühstartrenten-Depot unterliegen den steuerlichen Regelungen des Gesamtprogramms. Laufende Erträge wie Dividenden oder Zinsen werden innerhalb des Depots thesauriert (wieder angelegt) oder ausgeschüttet, abhängig vom gewählten ETF-Typ. Thesaurierende ETFs reinvestieren Erträge automatisch und aktivieren den Zinseszinseffekt direkt.

Die steuerliche Behandlung von Gewinnen beim Auszahlungszeitpunkt (ab 18 Jahren) wird durch das Frühstartrenten-Gesetz geregelt. Die genauen Regelungen sind zum Zeitpunkt der Erstellung noch im Gesetzgebungsverfahren.

Risiken und Schwankungen

ETFs auf Aktienbasis unterliegen Marktschwankungen. Kurzfristig – also innerhalb von Monaten oder wenigen Jahren – können erhebliche Verluste entstehen. Auf sehr langen Zeiträumen (15+ Jahre) zeigt die historische Entwicklung breiter Aktienindizes eine Tendenz zu positiven Realrenditen. Diese historischen Erfahrungen sind jedoch keine Garantie für die Zukunft.

Das Frühstartrenten-Depot ist auf den langen Horizont bis zur Rente ausgerichtet. Kurzfristige Schwankungen sind aus dieser Perspektive Teil des normalen Marktverhaltens und nicht notwendigerweise ein Handlungssignal.

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Konkrete ETF-Auswahl für das Frühstartrenten-Depot

Bei der ETF-Auswahl für ein Frühstartrenten-Depot sind verschiedene Faktoren relevant. Da das Programm langfristig angelegt ist und das Kind bis zum Rentenalter investiert bleibt, können gut diversifizierte, kostengünstige Anlageprodukte in Betracht gezogen werden.

Was ist ein globaler Aktienindex-ETF?

Ein globaler Aktienindex-ETF bildet einen breiten Marktindex ab, der Hunderte oder Tausende von Unternehmen aus verschiedenen Ländern umfasst. Weit verbreitete Indizes für diese Kategorie sind der MSCI World (enthält Unternehmen aus Industrieländern) und der MSCI ACWI (enthält zusätzlich Schwellenländer). Ein ETF auf diese Indizes investiert automatisch in alle enthaltenen Unternehmen proportional zu deren Marktgewicht.

Was sind thesaurierende vs. ausschüttende ETFs?

Bei thesaurierenden ETFs werden Dividenden und Zinsen direkt wieder angelegt, ohne dass ein separater Schritt erforderlich ist. Das maximiert den Zinseszinseffekt über lange Zeiträume. Bei ausschüttenden ETFs werden diese Erträge an den Depot-Inhaber ausgezahlt. Für langfristige Sparpläne wie ein Frühstartrenten-Depot sind thesaurierende ETFs in der Regel vorzuziehen, da die automatische Wiederanlage den Wachstumsprozess ohne Reibungsverluste fortsetzt.

Was bedeutet Tracking Error?

Der Tracking Error bezeichnet die Abweichung der ETF-Rendite von der Benchmark-Rendite (dem abgebildeten Index). Ein niedriger Tracking Error bedeutet, dass der ETF den Index gut nachbildet. Kostengünstige ETFs auf große Indizes haben in der Regel sehr niedrige Tracking Errors.

Kostenvergleich: Beispiele

Ein Vergleich unterschiedlicher Kostenstrukturen veranschaulicht, warum die Gesamtkostenquote wichtig ist.

ProdukttypTypische JahreskostenAuswirkung über 50 Jahre (vereinfacht)
ETF (kostengünstig)0,10–0,20 % p. a.Minimal; kaum wahrnehmbar
Aktiv verwalteter Fonds1,50–2,50 % p. a.Erheblich; signifikante Renditeminderung
Lebensversicherungsprodukt1,00–3,00 % p. a.Sehr erheblich je nach Vertrag

Diese Zahlen sind vereinfachte Illustrationen. Der tatsächliche Effekt hängt von der konkreten Renditeentwicklung, dem investierten Kapital und den genauen Kosten ab.

Regulatorische Anforderungen an ETFs im Frühstartrenten-Depot

Nicht alle ETFs dürfen in einem Frühstartrenten-Depot verwendet werden. Das Gesetz (sobald verabschiedet) wird Anlagevorschriften festlegen, die das Risiko begrenzen und die langfristige Tragfähigkeit der Anlage sichern. Voraussichtlich müssen ETFs bestimmte Mindeststandards erfüllen:

  • Ausreichende Diversifikation (kein Einzeltitel-Klumpenrisiko)
  • Mindestliquidität
  • Regulierte Produktstruktur (UCITS-Standard für europäische ETFs)
  • Transparenzanforderungen

ETFs, die diese Anforderungen erfüllen, werden vom Anbieter in einer zugelassenen Produktliste aufgeführt. Anleger können nur aus dieser Liste wählen.

Rebalancing im Frühstartrenten-Depot

Rebalancing bedeutet, die ursprünglich gewählte Aufteilung zwischen verschiedenen Anlageklassen wiederherzustellen, wenn sie durch unterschiedliche Wertentwicklungen aus dem Gleichgewicht geraten ist. Bei einem einfachen Ein-ETF-Portfolio ist kein Rebalancing nötig. Bei Mehr-ETF-Portfolios (z. B. 70 % Industrieländer, 30 % Schwellenländer) kann gelegentliches Rebalancing sinnvoll sein, um die gewünschte Aufteilung beizubehalten.

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Häufige Fragen

Quellen und weiterführende Informationen
Wir verlinken bevorzugt Primärquellen (Gesetze, Behörden, Anbieter-Originaldokumente) und kennzeichnen den jeweiligen Datenstand. Inhalte werden redaktionell geprüft und bei Bedarf aktualisiert.
  1. [1]Bundesministerium der Finanzen – Referentenentwurf Frühstartrente, 21. Juli 2026
  2. [2]BaFin – Aufsicht über Anlageprodukte und Investmentfonds
  3. [3]Verbraucherzentrale – Altersvorsorge und Kapitalanlage für Kinder
  4. [4]Deutsche Bundesbank – Kapitalmarkt und Altersvorsorge
  5. [5]Deutscher Bundestag – Gesetzentwürfe und parlamentarisches Verfahren

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