Frühstartrente – Kosten, ETF & Erträge

Frühstartrente: Kosten und Kostendeckel

Maximal 1 % effektive Gesamtkosten pro Jahr laut Referentenentwurf.

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Lesezeit: 7 Min.

Das Wichtigste in Kürze

Der Referentenentwurf sieht einen gesetzlichen Kostendeckel von 1 % effektiver Gesamtkosten p. a. vor. Das soll verhindern, dass hohe Gebühren die staatliche Förderung aufzehren.

Inhaltsverzeichnis

  • Der gesetzliche Kostendeckel
  • Was sind effektive Gesamtkosten?
  • Warum 1 % als Deckel?
  • Auswirkung von Kosten auf das Endkapital
  • Typische Kostenstrukturen bei ETFs und Fonds
  • Kostenvergleich: Frühstartrente vs. Junior-Depot
  • Praxisbeispiel: Kostenunterschied über 65 Jahre
  • Fazit
Hinweis: Alle Angaben basieren auf dem BMF-Referentenentwurf vom 21. Juli 2026 – noch kein geltendes Recht.

Der gesetzliche Kostendeckel

Ein zentrales Element des Referentenentwurfs ist der gesetzliche Kostendeckel: Anlageprodukte und Depots im Rahmen der Frühstartrente dürfen maximal 1 % effektiver Gesamtkosten pro Jahr aufweisen. Dieser Deckel gilt für alle Produkte – egal ob das Kind ein privates Depot bei einem Anbieter hat oder das Geld in der Auffanglösung der Deutschen Bundesbank liegt.

Der Kostendeckel soll sicherstellen, dass nicht ein wesentlicher Teil des staatlichen Beitrags durch Verwaltungsgebühren aufgezehrt wird. Bei einem Staatsbeitrag von nur 10 Euro/Monat wären hohe Kosten besonders schädlich: Ein Kostenunterschied von 1 % p. a. kann über 65 Jahre das Endkapital um Dutzende Prozent mindern.

Was sind effektive Gesamtkosten?

Die effektiven Gesamtkosten (auch: Gesamtkostenquote oder All-in-Kosten) umfassen alle laufenden Kosten, die dem Anleger entstehen:

KostenartBeschreibung
TER (Total Expense Ratio)Laufende Kosten des Fonds oder ETF p. a.
DepotgebührenVerwaltungskosten des Depots
TransaktionskostenKosten für Käufe und Verkäufe im Depot
VertriebskostenProvisionen, sofern anfallend
Sonstige KostenSteuern auf Einnahmen, etwaige Versicherungskosten

Die TER ist der bekannteste Kostenbaustein. Bei einem günstigen globalen ETF liegt die TER typischerweise bei 0,07–0,20 % p. a. Depotgebühren variieren stark – von kostenlosen Angeboten bis hin zu mehreren Prozent pro Jahr. Der Gesamtdeckel von 1 % lässt erheblichen Spielraum für günstige Produkte.

Warum 1 % als Deckel?

Die Wahl von 1 % als Obergrenze ist nicht zufällig. Vergleichbare Regelungen im Altersvorsorgereformgesetz für das Altersvorsorgedepot (AVD) setzen ähnliche Kostendeckel. 1 % erlaubt kostengünstige ETF-Produkte mit niedrigen Depotgebühren und schließt gleichzeitig teure aktiv verwaltete Fonds oder provisionsgetriebene Versicherungsprodukte aus.

Günstige ETFs haben TERs weit unter 0,20 % p. a. Das bedeutet: Ein Anbieter, der 1 % Gesamtkosten anpeilt, hätte noch viel Spielraum für Depotgebühren oder andere Serviceleistungen – was die Anbietervielfalt im Markt ermöglicht.

Auswirkung von Kosten auf das Endkapital

Der Kostenunterschied erscheint auf den ersten Blick gering – aber über 65 Jahre ist er erheblich:

Gesamtkosten p. a.Nettorendite (bei 7 % Brutto)Endkapital (Staatsbeitrag, 2026-born)
0,15 % (ETF-günstig)≈ 6,85 %ca. 112.000 €
0,50 %≈ 6,50 %ca. 98.000 €
1,00 % (Deckel)≈ 6,00 %ca. 82.000 €
1,50 % (über Deckel)≈ 5,50 %ca. 69.000 €

Illustration: 10 €/Monat Staatsbeitrag für 18 Jahre bei 7 % Bruttoannahme, dann weiteres Wachstum bis Alter 65 (ab Geburt 2026, Inkrafttreten 2026). Vereinfachte Berechnung.

Der Unterschied zwischen 0,15 % und 1,00 % Gesamtkosten ergibt bei diesem Szenario rund 30.000 Euro Unterschied im Endkapital – aus demselben Staatsbeitrag. Der Kostendeckel schützt also vor dem Worst-Case-Szenario, möglicherweise zugesagt aber nicht die günstigste Lösung.

Typische Kostenstrukturen bei ETFs und Fonds

Aktiv verwaltete Fonds haben TERs von 1,0–2,5 % p. a. und sind damit oft schon über dem Gesamtdeckel. Passive ETFs auf breite Indizes (MSCI World, FTSE All-World) haben TERs von 0,07–0,20 % p. a. und passen problemlos in den Kostenrahmen.

Der Kostendeckel von 1 % ist so konzipiert, dass er passive ETFs problemlos erlaubt, aber teure aktive Fonds und provisionsgetriebene Versicherungsprodukte ausschließt. Das entspricht dem wissenschaftlichen Konsens, dass kostengünstige passive Indexprodukte langfristig die überwiegende Mehrheit aktiv gemanagter Fonds schlagen.

Kostenvergleich: Frühstartrente vs. Junior-Depot

Ein herkömmliches Junior-Depot hat keinen gesetzlichen Kostendeckel. Eltern können sowohl sehr kostengünstige ETFs (TER 0,07 %) als auch teure Fonds wählen. Die Frühstartrente begrenzt die Kosten nach oben, bietet aber weniger Produktfreiheit.

Praxisbeispiel: Kostenunterschied über 65 Jahre

Lara (geboren 2026) hat zwei Schwestern: Mia mit einem Depot bei Anbieter A (Gesamtkosten 0,20 % p. a.) und Jana mit einem Depot bei Anbieter B (Gesamtkosten 0,80 % p. a.). Beide erhalten denselben Staatsbeitrag. Bei 7 % Bruttorendite und 65 Jahren Laufzeit ergibt sich aus dem Staatsbeitrag allein:

  • Mia (0,20 % Kosten, 6,80 % Netto): ca. 110.000 Euro
  • Jana (0,80 % Kosten, 6,20 % Netto): ca. 90.000 Euro

Allein durch die Kostenoptimierung ist Mias Depot rund 20.000 Euro höher. Mehr zu diesem Thema: Frühstartrente und ETFs. Projektion selbst berechnen: Frühstartrente-Rechner.

Fazit

Der gesetzliche Kostendeckel von 1 % schützt vor exzessiven Gebühren und ist ein Qualitätsmerkmal des geplanten Systems. In der Praxis werden die Kosten stark davon abhängen, welche Produkte und Anbieter zugelassen werden. Günstigen ETF-basierten Produkten ist grundsätzlich der Vorzug zu geben – innerhalb des Kostendeckels ist weniger immer mehr.

Kostenarten im Detail

Ein vollständiges Bild der Kosten im Frühstartrenten-Depot erfordert die Betrachtung verschiedener Kostenebenen.

Depot-Verwaltungsgebühren

Der Anbieter erhebt für die Verwaltung des Depots eine jährliche Gebühr. Diese Gebühr ist durch den gesetzlichen Kostendeckel begrenzt. Innerhalb des Kostendeckels haben Anbieter Spielraum, wie sie ihre Gebühren strukturieren: Einige erheben eine prozentuale Jahresgebühr, andere eine monatliche Fixgebühr.

Bei kleinen Depotvolumina (wie in der Anfangsphase eines Frühstartrenten-Depots) können Fixgebühren prozentual hoch erscheinen. Wichtig: Der Kostendeckel des Referentenentwurfs bezieht sich auf das Gesamtkostenpaket, nicht auf eine einzelne Kostenart.

ETF-interne Kosten (TER)

Wenn das Depot in ETFs investiert, tragen diese eigene Kosten in Form der Gesamtkostenquote (TER – Total Expense Ratio). Die TER wird nicht separat in Rechnung gestellt, sondern reduziert die Wertentwicklung des ETFs direkt. Typische Werte für kostengünstige Welt-Index-ETFs liegen bei 0,1 bis 0,3 % pro Jahr.

Transaktionskosten

Beim Kauf und Verkauf von ETF-Anteilen können Transaktionskosten entstehen. Bei monatlichen Sparplänen (wie dem automatischen Einfließen der staatlichen Frühstartrenten-Beiträge) bieten viele Anbieter kostenlose oder günstige Sparplanausführungen an.

Keine Ausgabeaufschläge bei ETFs

Anders als bei manchen aktiv verwalteten Fonds gibt es bei ETFs in der Regel keine Ausgabeaufschläge beim Kauf. Der Kauf erfolgt über die Börse zum aktuellen Marktpreis plus eventueller Handelskosten.

Langfristiger Kostenvergleich

Über einen Zeitraum von 18 Jahren (Geburt bis Übergabe an das Kind) summieren sich selbst kleine jährliche Kostendifferenzen erheblich. Dieser Effekt verstärkt sich durch den Zinseszinseffekt: Kosten reduzieren nicht nur den aktuellen Depotwert, sondern auch die Basis für künftige Renditen.

Jährliche KostenAuswirkung über 18 Jahre (vereinfacht)
0,1 % p. a.Sehr gering; kaum messbare Auswirkung auf kleines Depot
0,5 % p. a.Merklicher Unterschied bei längerem Horizont
1,0 % p. a.Spürbare Renditeminderung über Gesamtlaufzeit

Die Zahlen sind vereinfachte Illustrationen und keine Prognosen. Der tatsächliche Effekt hängt von Depotvolumen, Renditeentwicklung und konkreten Kosten ab.

Transparenzpflichten der Anbieter

Zugelassene Frühstartrenten-Anbieter sind verpflichtet, ihre Kosten transparent offenzulegen. Das Produktinformationsblatt (PIB) muss alle wesentlichen Kostenkomponenten in standardisierter Form enthalten. Verbraucher können damit verschiedene Anbieter auf Basis einheitlicher Angaben vergleichen.

Vor der Entscheidung für einen Anbieter empfiehlt sich eine sorgfältige Prüfung des Produktinformationsblatts. Besonderes Augenmerk gilt den Gesamtkosten und ob der Kostendeckel eingehalten wird.

Kosten über den gesamten Lebenszyklus

Das Frühstartrenten-Depot wird in zwei Phasen geführt: die Kindheitsphase (0–18 Jahre, staatliche Beiträge) und die Erwachsenenphase (18–67 Jahre, eigene Beiträge und Weiterführung). In der Kindheitsphase sind die Depotvolumina gering; in der Erwachsenenphase können sie erheblich wachsen.

Die Kostenstruktur, die in der Kindheitsphase gewählt wird, sollte auch für die Erwachsenenphase geeignet sein. Anbieter mit niedrigen prozentualen Gebühren sind besonders interessant für die Phase, in der das Depot wächst.

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Kostenmythen und Fakten

Rund um Kosten bei Anlageprodukten für Kinder kursieren verschiedene Fehlannahmen, die es wert sind, richtiggestellt zu werden.

Mythos: "Kostenloser ETF bedeutet keine Kosten"

Manche Anbieter werben mit "gebührenfreien" ETF-Sparplänen. Gemeint ist damit in der Regel, dass keine Transaktionsgebühren beim Kauf anfallen. Die ETF-interne Kostenquote (TER) besteht weiterhin und reduziert die Wertentwicklung des ETFs. "Kostenlos" bezieht sich also nur auf einen Teil der anfallenden Kosten.

Mythos: "Kleine Kosten machen keinen Unterschied"

Bei kurzen Zeiträumen sind Kostenunterschiede von 0,5 % oder 1 % p. a. tatsächlich gering. Bei langen Zeiträumen wie 50 oder 60 Jahren (Geburt bis Rente) addieren sich diese Unterschiede erheblich. Der Zinseszinseffekt wirkt dabei nicht nur positiv (auf Renditen), sondern auch negativ (auf Kosten, die die Renditebasis reduzieren).

Mythos: "Teure Produkte bieten bessere Leistung"

Die finanzwissenschaftliche Forschung zeigt, dass höhere Kosten bei Investmentprodukten nicht mit besserer Rendite korrelieren. Im Gegenteil: Kostengünstige Indexprodukte haben in vielen Zeiträumen aktiv verwaltete Fonds übertroffen, eben weil die Kosten geringer sind. Das ist einer der Hauptgründe, warum das Frühstartrenten-System einen Kostendeckel vorsieht.

Wie Eltern Kosten vergleichen können

Anbieter zugelassener Frühstartrenten-Produkte werden verpflichtet sein, ihre Kosten in standardisierter Form offenzulegen. Das Produktinformationsblatt (PIB) enthält:

KostenangabeWas sie aussagt
Jährliche Gesamtkosten (%)Anteil des Depotwertes, der jährlich für Verwaltung anfällt
Einmalige Kosten (€)Gebühren bei Kontoeröffnung oder -schließung
ETF-TER (%)Fondskosten (nicht im Depot-Kostendeckel enthalten)
Transaktionskosten (€)Kosten bei Kauf/Verkauf von ETF-Anteilen

Eltern sollten vor Auswahl eines Anbieters das Produktinformationsblatt sorgfältig lesen und mehrere Anbieter vergleichen.

Kosteneffizienz über den gesamten Lebenszyklus

Das Frühstartrenten-Depot wird in zwei Phasen betrieben:

Phase 1 (0 bis 18 Jahre): Das Depotvolumen ist gering, wächst aber über Jahre durch staatliche Beiträge und Renditen. Bei geringem Kapital sind Fixgebühren (feste Jahresgebühren) prozentual hoch. Anbieter ohne Fixgebühren oder mit niedrigen Mindestgebühren sind in dieser Phase vorteilhafter.

Phase 2 (18 bis 67 Jahre): Das Kind führt das Depot weiter und kann eigene Beiträge einzahlen. Das Kapital wächst, und prozentuale Gebühren werden relevanter als Fixgebühren. Der gesetzliche Kostendeckel schützt auch in dieser Phase.

Eltern, die einen Anbieter für das Frühstartrenten-Depot ihres Kindes wählen, sollten idealerweise einen Anbieter wählen, der in beiden Phasen kosteneffizient ist – nicht nur in der Anfangsphase.

Schlussgedanke: Kosten sind kontrollierbar

Im Gegensatz zur Marktrendite (die unvorhersehbar ist) sind Kosten planbar und kontrollierbar. Eltern, die einen Anbieter mit niedrigen Gesamtkosten wählen, haben langfristig einen strukturellen Vorteil. Das ist ein wichtiger Unterschied: Marktrendite kann man nicht beeinflussen, Kosten schon.

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Häufige Fragen

Quellen und weiterführende Informationen
Wir verlinken bevorzugt Primärquellen (Gesetze, Behörden, Anbieter-Originaldokumente) und kennzeichnen den jeweiligen Datenstand. Inhalte werden redaktionell geprüft und bei Bedarf aktualisiert.
  1. [1]Bundesministerium der Finanzen – Referentenentwurf Frühstartrente, 21. Juli 2026
  2. [2]BaFin – Aufsicht über Anlageprodukte und Investmentfonds
  3. [3]Verbraucherzentrale – Altersvorsorge und Kapitalanlage für Kinder
  4. [4]Deutsche Bundesbank – Kapitalmarkt und Altersvorsorge
  5. [5]Deutscher Bundestag – Gesetzentwürfe und parlamentarisches Verfahren

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